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Das gesamte Projekt bedarf wohl einer gewissen Erläuterung. Steinbach-Hallenberg ist ein südlich des Rennsteigs auf einer Meereshöhe von 465 Metern gelegener staatlich anerkannter Erholungsort mit rund 6.000 Einwohnern und einer nicht nur für Ostdeutschland sehr niedrigen Arbeitslosigkeit von 8 %. Steinbach-Hallenberg hat 2003 sein 775-jähriges Bestehen gefeiert. Die letzten fünfhundert Jahre lebte die Stadt von und mit einer Kleineisenindustrie, deren Tradition weder der Abtransport sämtlicher großen und wertvollen Maschinen durch die sowjetische Besatzungsmacht 1945 noch der industrielle Kahlschlag der Zeit nach 1990 brechen konnte. So haben sich hier bei den Bewohnern des Haseltales bis zum heutigen Tage das Bewusstsein für die existenzielle Bedeutung dieser Industrie und die Wertschätzung für ihre Wurzeln erhalten. Zu diesen Wurzeln gehört auch die vor dem ersten Weltkrieg erbaute und 1931 erweiterte Korkenzieher-Werkstatt in der Hauptstraße Nr. 5. Johann Friedrich Recknagel gründete den Betrieb im Jahre 1871. Sein Sohn Richard Recknagel (geboren am 24. Mai 1873, gestorben am 26. November 1936) führte die Werkstatt mit Erfindergeist fort; er erhielt Gebrauchsmusterschutz für seine Erzeugnisse –, die heute teilweise zu Sammlerobjekten geworden sind –, und meldete Patente an. Als letzter Inhaber betrieb der 1902 geborene Ernst Recknagel die Korkenzieherfabrikation bis zu seinem Tod im Alter von 86 Jahren. Die Korkenzieherwerkstatt steht als bauliches Zeugnis für Handwerkerfleiß und Erfindungsreichtum der Bewohner des Haseltals inzwischen unter Denkmalschutz. Eine museale Nutzung ist am jetzigen Standort des Gebäudes ausgeschlossen; sie wird nur durch die Einbeziehung der Werkstatt in den Heimathof der Stadt möglich, einem kulturellen Zentrum mit bereits vorhandenem Museumsteil, Ausstellungen und einem reichhaltigen Veranstaltungsprogramm. Dies erfordert jedoch eine Verschiebung des Gebäudes über eine Entfernung von mehr als einem Kilometer. In den letzten Jahren konnte die Fa. Bennert ein Dutzend derartiger Translozierungen mit unterschiedlichen Techniken ausführen, wobei jedes Mal die Umsetzung im Ganzen, ohne Zerlegung in einzelne Teile angestrebt wurde. Dass die Korkenzieherwerkstatt nicht unterkellert ist, erleichtert das Verfahren in Steinbach-Hallenberg sehr. Der größte Teil der Projektkosten wird aus dem LEADER-Förderprogramm der Europäischen Union die über den Naturpark Thüringer Wald initiiert wurde, bestritten; es verbleibt aber eine Finanzierungslücke von 35.000 €, die aus Haushaltsmitteln der Stadt nicht geschlossen werden konnte. Andere Kommunen werfen in einer solchen Situation üblicherweise das Handtuch, wenn weitere Förderprogramme nicht greifen, und verzichten lieber auf das Vorhaben. Nicht aber eine Stadt, in der wirtschaftliches Denken und Handeln eine solche Tradition haben, wie Steinbach-Hallenberg. Man beschloss, die Translozierung der Korkenzieherwerkstatt als ein bedeutendes technisches und kulturelles Ereignis zu vermarkten und das fehlende Geld durch Sponsorenwerbung aufzubringen. Als erster Sponsor konnte der Chef des weltweit agierenden Würth-Konzerns, Professor Reinhold Würth, zu einer erheblichen Zuwendung bewogen werden; auch der regionale Energiedienstleister Werragas unterstützt das außergewöhnliche Projekt der Stadt Steinbach-Hallenbergs großzügig andere werden zweifellos folgen. Um die Translozierung am 06. Mai 2005 wird sich ein Volksfest mit 20000 bis 30000 Besuchern ranken.
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