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Multimediale Museumsführung präsentiert - Weltneuheit auf der Weidaer Osterburg
Die Neugierigen standen gestern Schlange vor dem Eingang zum Turm der Weidaer Osterburg. Dort ging es nur in Zehnergruppen wegen der Enge des Raumes zur neuen Multimedia-Museumsführung, die nach einem guten Jahr Entwicklung der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Wer den Gang ins Innere des Bergfriedes schaffte, wurde zunächst mit einem kleinen Ausflug in die Vorgeschichte der Burg empfangen. Ein gutaussehender junger Mann mit Falken stellt Heinrich den Reichen im 12. Jahrhundert dar. Das aber zunächst als einfache Projektion. Nach einigen Minuten öffnet sich der Blick und der Betrachter steht inmitten einer 360 Grad-, also Rundum-Animation. Er fliegt mit dem Falken über das Vogtland, sieht Felder und Wiesen an sich vorbeiziehen, schaut über Marktplätze und Schlossdächer und erfährt, welche Entwicklung das reussische Land genommen hat. Das alles aber passiert im Innern des achteckigen Turmes. Für den Betrachter allerdings werden die Ecken unsichtbar, er steht inmitten des Panoramas, egal wohin er blickt. Möglich machen diesen Effekt die acht Beamer - oder so genannte Festplattenplayer - und das Computerprogramm, das hinter dem 57 000 Euro teurem Multimedia-Museumsprojekt steckt. "Eine Weltinnovation", sagte Dr. Wulf Bennert, Denkmalexperte und Bauunternehmer aus Hopfgarten, und zielte auf das Zusammenwirken bewegter Bilder in 360 Grad Projektion und historischem Untergrund.
Diese Art der Projektion auf gerader Leinwand ist nicht neu, sie aber im Innern des Turmes mit seinem unebenen Mauerwerk, unterschiedlicher Farb- und Formgebung zu realisieren, das ist einmalig. Es sei immer schade gewesen, dass man vom Turm der Osterburg aus nicht die Aussicht habe, wie man sie vor dem Aufstieg vermutet. Die Weidaer Hügel verhinderten dies, so Bennert. Daraus sei letztlich der Gedanke für das Projekt entstanden. Gemeinsam mit der Bauhaus Universität und Prof. Oliver Bimber fand die Firma Bennert die Lösung. Doch fast 14 Monate habe man für den schweren Weg dahin gebraucht, berichtete Kai Fischer von MonuMedia, einer Tochter der Firma Bennert.
Eine Schwierigkeit sei die Überschneidung der Bildbereiche der acht eingesetzten Projektoren gewesen. Um ein einheitlich laufendes Band im Innern des Turmes zu erzeugen, müssen die Beamer zeitlich und räumlich synchron laufen. Das habe bei den Tüftlern viele Nerven gekostet, kann Fischer jetzt erleichtert aufatmen. Darüberhinaus war viel Kleinarbeit nötig. "Wir haben ganz Thüringen im Computer", erklärte Fischer. Die verschiedenen Höhendaten der Landschaften haben die MonuMedia-Leute selbst in den Computer eingepflegt. Zu den reellen Abbildungen mussten Bauwerke eingefügt werden, die es so gar nicht mehr gebe, wie das Schloss Osterstein, gab Fischer einen Einblick in die Arbeiten. Einen entscheidenden Schritt zur Realisierung des Projektes allerdings ist Bimber gelungen, der die klare Projektion auf dem farblich ungleichen Mauerwerk ermöglichte. Die virtuelle Museumsführung ist nicht nur weltneu, sie ist auch auf den Stein genau auf die Osterburg zugeschnitten. Die Technologie sei zwar nachnutzbar, die Osterburgvariante ist es nicht, betonte Fischer. Die Weltneuheit sollen nicht nur bisherige Osterburgfreunde begeistern. Neue Besucher und junges, technikinteressiertes Volk soll angelockt werden. Für dieses Ziel kann der Neuheitsbonus gar nicht lang genug halten. Die Osterburg liegt trotz ihrer kulturellen und baugeschichtlichen Bedeutung weit abgeschlagen bei den Besucherzahlen.
Von Petra Lowe
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