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Jubiläumsausstellung "Anna Amalia, Carl August und das Entstehen der Klassik" in Weimar Von OTZ-Redakteurin Stefanie Grießbach Goethe grinst, Schiller geht auf den Berliner Aufklärer Friedrich Nicolai los und Herder liegt am Boden. Die Radierung "Die Xenienritter" von Christian Schule von 1797 zeigt Goethe und Schiller als polemische Kritiker der Literaturzunft und spießbürgerlichen Zeitgenossen ihrer Zeit. Alles fängt klein an. O Wunder, auch die Weimarer Klassik, die seit fast 200 Jahren exemplarisch für deutsche Hochkultur steht. Goethe, Schiller, Herder und Wieland sind Namen, die der Stadt in der Provinz weltweite Beachtung sichern. Aber wie konnte ein Städtchen von nur 6000 Einwohnern zu einer Metropole der deutschen Geistesgeschichte werden? Welchen Anteil hatte die Politik der Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach und ihres Sohnes, des späteren Großherzogs Carl August, an der einzigartigen kulturellen Blüte, die sich um 1800 in ihrem Fürstentum entfaltete?
Im Jahr des 200. Todestages Anna Amalias und des 250. Geburtstages Carl Augusts gibt die Ausstellung "Ereignis Weimar" im Stadtschloss vom 3. April bis 4. November Antworten auf diese Fragen. Vor dem Hintergrund der Biographien der beiden Herrscherpersönlichkeiten illustrieren über 500 Exponate aus den Sammlungen der Kultureinrichtungen und Wissenschaftsinstitute in Weimar und Jena, unterstützt von nationalen und internationalen Leihgebern, die Entwicklung des kleinen und unbedeutenden Herzogtums von 1757 bis 1807. In 31 Räumen werden Akten, Schriften, Portraits, kunsthandwerkliche Gegenstände, Gemälde, Plastiken und Skulpturen ausgebreitet und in den Kontext eingeordnet. Am Anfang des historischen Überblickes, für den viel Zeit mitgebracht werden sollte und auch Vorwissen nicht schadet, steht der Regierungsübergang von Anna Amalia auf ihren Sohn Carl August als eine politisch wie wirtschaftlich schwierige Zeit. Daran schließen sich die Versuche der neuen Regierung an, die dringlichsten Probleme mit Hilfe von Reformen zu lösen. Horizonterweiterung, die Italienreisen von Goethe, Herder und Anna Amalia, markieren eine dritte Phase. Am Ende der Entwicklung steht nach dem "glücklichen Ereignis", wie Goethe seine erste Begegnung mit Schiller im Juli 1794 rückwirkend bezeichnete, die professionelle Lenkung von Wissenschaft und Kunst, die dem Herzogtum seinen Ruf als geistiges Zentrum Deutschlands einbrachte - nicht denkbar ohne die gleichzeitigen literarischen, philosophischen und wissenschaftlichen Errungenschaften in der benachbarten Unistadt Jena.
Zu den herausragenden Exponaten zählen die Porträts von Carl August und Anna Amalia. Lebendige Einblicke gewährt die digitale Rekonstruktion der Wilhelmsburg in ihrem Aussehen vor dem Brand von 1774 - nach neuen Erkenntnissen wahrscheinlich Brandstiftung. Bemerkenswert auch die Inszenierung zweier Szenen von Shakespeares Macbeth mit Schauspielmusik von Johann Friedrich Reichardt.
Ermutigend ist die Einsicht, dass auch die Klassiker zunächst kämpfen mussten und keines-falls von selbst und selbstverständlich an die Spitze kultureller Errungenschaften schritten. Darin liegt auch der Anspruch der Ausstellung: sie zeigt die Klassik in ihren Wurzeln und in ihrer Entstehung, meidet auch zeitgenössische Kritik nicht, die meist in Form von Karikaturen herzhaft über Goethe, etwa um 1800 von Johann Gottfried Schadow, ablästerte.
Wissenschaftliche Grundlage für die Schau sind neue Erkenntnisse des Sonderforschungsbereichs "Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800" der Uni Jena.
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