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Um das Bild der Ziemestalbrücke in der Nähe von Ziegenrück zu gewinnen, waren einige Anstrengungen erforderlich. Denn es gibt nur zwei Möglichkeiten, sich diesem technischen Denkmal zu nähern: Entweder man stellt das Auto an der Straße ab und nimmt eine 20-minütige Wanderung auf dem Gleis der seit Ende 2004 stillgelegten Strecke zwischen Triptis und Ebersdorf-Friesau mitten durch die bewaldete Mittelgebirgslandschaft und drei Eisenbahntunnel auf sich oder man gelangt über einen schwerauffindbaren Waldweg zu ihm. Will man diesen mit einem PKW befahren, ist ein Geländefahrzeug erforderlich, da der Weg mehrfach durch kleine Bachläufe und umgefallene Bäume versperrt wird.
Doch hat man diese Mühen erst einmal auf sich genommen, wird man mit dem Anblick eines 32 m hohen und 120 m langen grazilen technischen Denkmals belohnt. Die Brücke beeindruckt schon deshalb, weil sie weit und breit als einzige Spur menschlicher Zivilisation zu erkennen ist. Der Bau der für das Schleizer Oberland überaus wichtigen Bahnlinie stieß im 19. Jahrhundert nicht nur auf die üblichen Schwierigkeiten: Außer der verbreiteten Abneigung der Bauern und sogar Gemeinden gegen einen Verkauf von Grundstücken erwies es sich als unmöglich, die Planungen der betroffenen Kleinstaaten zu koordinieren. Nach jahrzehntelangen Verzögerungen wählte man schließlich eine Streckenführung des „geringsten politischen Widerstandes“, für den jedoch ein hoher technischer Aufwand in Kauf genommen werden musste. Die nwegsamen Talhänge der Eisenbahnstrecke erforderten Tunnelbauten, Stützmauern und schwierige Brückenkonstruktionen, von denen die Ziemestalbrücke eine besondere technische Herausforderung darstellte. Stein als Baumaterial wurde wegen der hohen Transportkosten in das abgelegene Ziemestal verworfen; man entschied sich für eine Konstruktion aus Stahl.
Im Herbst 1893 begann der Bau der Fundamente und Widerlager, und ein Jahr später konnte der „Ziegenrücker Kreisanzeiger“ berichten: „Ein schwieriges Stück Arbeit, der eiserne Viadukt... ist im Laufe der vergangenen sechs Monate fertiggestellt worden. Diese vollständig in Eisenkonstruktion ausgeführte Brücke ist in Eschweiler bei Aachen hergestellt worden und hat ein Gesamtgewicht von 5.600 Centnern. Sie ruht auf 5 eisernen Pfeilern, von denen jeder aus 4 etwas schräg stehenden Säulen besteht, die mehrmals horizontal und gekreuzt verankert sind. ... Beim Bau dieses Viadukts war der Umstand erschwerend, daß dieselbe in einer mäßigen Kurve läuft. ... Die Brücke, auf welcher bereits der Schienenstrang liegt, macht einen wirklich großartigen Eindruck und ist ein sehenswertes Meisterwerk der Eisenindustrie und zugleich der Baukunst.“ Diese vor mehr als hundert Jahren gedruckte Meinung hat auch heute noch Gültigkeit - die Ziemestalbrücke verdient ihren Schutz als technisches Denkmal. Die ungestörte Abgeschiedenheit der Brücke war dem Anfertigen der Luftaufnahmen sehr zuträglich, dennoch fragt man sich, warum diese stillgelegte Eisenbahnstrecke inmitten der überaus reizvollen Landschaft nicht dazu genutzt wird, um darauf Draisinenfahrten für Touristen anzubieten, so wie dies beispielsweise schon sehr erfolgreich auf der Strecke ürstenberg/Havel – Templin in Mecklenburg-Vorpommern praktiziert wird.
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