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Zwischen 1706 und 1711 ließ der Weimarer Großherzog auf den Grundmauern eines ehemaligen Chorherrenstiftes in Ettersburg ein Jagdschloss als eine nach Süden geöffnete Dreiflügelanlage bauen. Vor das „Alte Schloss“ setzte man kurz nach dessen Fertigstellung ein „Corps de logis“, das „Neue Schloss“. Nach dem Tod des ersten Baumeisters Johann Mützel veränderten die Barockbaumeister Johann Adolph Richter und Gottfried Heinrich Krone das Erscheinungsbild des Neuen Schlosses tiefgreifend. Vor allem Krone (siehe auch das Septemberblatt dieses Kalenders) war ein genialer Gestalter, doch ein schlechter Statiker; die von ihm in das Schloss hineingebauten konstruktiven Schwächen haben 250 Jahre später unserer Firma noch umfangreich Arbeit und Brot verschafft. Mit der Herzogin Anna Amalia hält die Kunst Einzug in Ettersburg. Für das Liebhabertheater des Hofes wird ein Theatersaal eingerichtet; Goethe, Herder, Wieland, Bertuch, Corona Schröter sind häufige Gäste – Schloss Ettersburg wird zu einem der Orte, an denen das Goldene Zeitalter Weimars spielt. Als Anna Amalia dem Reiz des Tiefurter Schlösschens erliegt, fällt Ettersburg in einen Dornröschenschlaf, der jedoch Friedrich Schiller die ersehnte Ruhe zur Arbeit an „Maria Stuart“ bietet. Zwar gibt es gelegentliche Jagdveranstaltungen mit prominenten Gästen wie 1808 mit Zar Alexander I. und Napoleon I., doch eine kulturelle Renaissance erlebt das Schloss erst unter Carl Alexander und seiner Frau, der niederländischen Prinzessin Sophie. In der „Silbernen Zeit“ Weimars entsteht hier mit Künstlern wie Franz Liszt, Hans Christian Andersen und Friedrich Hebel ein zweiter Musenhof. Das Fürstenpaar erhält zur Hochzeit vom niederländischen Königshaus die große Freitreppe auf der Südseite des Neuen Schlosses geschenkt, und der Fürst von Pückler-Muskau übernimmt die Gestaltung des Parks.
Mit der Abdankung des letzten Herzogs von Sachsen-Weimar fällt Schloss Ettersburg 1919 an das Land Thüringen. Der Verbund der Hermann-Lietz-Schulen pachtet es und betreibt darin bis 1945 eine Internatsschule. Mit dem Bau des Konzentrationslagers Buchenwald war inzwischen nur wenige Kilometer von Ettersburg entfernt ein Kontrapunkt der Unkultur gesetzt worden.
Die DDR brachte im Schloss Ettersburg, wie in so vielen anderen Schlössern ein Altersheim unter, seinen baulichen Verfall vermochte sie nicht zu stoppen. Nach der Wende war es eine nunmehr ungenutzte, heruntergekommene Baulichkeit mit zwar immer noch beeindruckendem Charme, aber riesigem Sanierungsbedarf. Im März 1990 wurde das „Kuratorium Schloss Ettersburg e.V.“ mit dem Ziel gegründet, das Schloss baulich zu retten und mit neuem kulturellem Leben zu erfüllen. Neuer Eigentümer wurde die Stiftung Weimarer Klassik.
In den letzen anderthalb Jahrzehnten gelang es, Altes und Neues Schloss konstruktiv zu sichern und die Dachdeckungen zu erneuern.
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